Was ein Inkubator leistet
Ein guter Inkubator stabilisiert drei Werte: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftaustausch. Schon Schwankungen von ±1 °C über mehrere Stunden können den Schlupferfolg deutlich senken oder bei vielen Arten das Geschlecht der Tiere kippen. Die Luftfeuchte regelt, ob die Eier Wasser aufnehmen oder verlieren. Beides ist in Maßen normal und in Übermaß tödlich. Der Luftaustausch versorgt die Embryonen mit Sauerstoff und führt CO₂ ab, ohne die Brutkammer auszutrocknen.
Wer ohne Inkubator brütet, ist auf konstante Raumtemperaturen und manuelles Wässern angewiesen, machbar bei robusten Arten wie Kornnattern, schwierig bei empfindlichen Geckos und unmöglich bei längeren Brutzeiten von Chamäleons oder Schildkröten.
Inkubationsdauer und Bruttemperatur pro Tierart
Die Brutwerte in der folgenden Tabelle stammen aus den Anleitungen von Lucky Reptile (Herp Nursery 3, Egg-o-Bator) und Exo Terra (Inkubator Pro). Exo Terra nennt Durchschnittswerte, die nur als Leitfaden dienen, und verweist für Genaueres auf die Fachliteratur.
| Tierart | Lucky Reptile: Temperatur | Lucky Reptile: Brutdauer | Exo Terra: Temperatur |
|---|
| Leopardgecko | 26 bis 31 °C | 45 bis 65 Tage | 26 bis 30 °C |
| Kronengecko | 26 oder 29 °C (Stufen des Egg-o-Bator) | 70 Tage bei 26 °C, 60 Tage bei 29 °C | 26 bis 29 °C (Gattung Rhacodactylus) |
| Großer Madagaskar-Taggecko | 26 oder 29 °C (Stufen des Egg-o-Bator) | 70 Tage bei 26 °C, 50 Tage bei 29 °C | 25 bis 30 °C (Gattung Phelsuma) |
| Bartagame | 27 bis 31 °C | 55 bis 86 Tage | 28 bis 30 °C |
| Halsbandleguan | 28 bis 32 °C | 45 bis 60 Tage | 28 bis 30 °C (Gattung Crotaphytus) |
| Jemenchamäleon | 27 bis 31 °C | 120 bis 209 Tage | 27 bis 30 °C |
| Pantherchamäleon | keine Angabe | keine Angabe | 26 bis 28 °C |
| Smaragdeidechse | keine Angabe | keine Angabe | 28 bis 30 °C |
| Kornnatter | 25 bis 29 °C | 55 bis 86 Tage | 26 bis 29 °C (Gattung Pantherophis) |
| Königspython | 29 bis 32 °C | 55 bis 71 Tage | 28 bis 32 °C |
| Griechische Landschildkröte | 28 bis 31 °C | 54 bis 79 Tage | 28 bis 31 °C |
Die Bruttemperatur ist nicht mit der Lufttemperatur im Inkubator zu verwechseln. Gemessen wird die Substrat- oder Eiumgebungstemperatur, weil Eier dort liegen, wo das Thermometer misst, nicht im Luftraum darüber.
Geschlecht durch Temperatur bestimmen: TSD verstehen
Bei vielen Reptilien legt die Bruttemperatur das Geschlecht der Nachzucht fest (Temperature-Dependent Sex Determination, TSD). Wer das ignoriert, bekommt ungewollte Geschlechterverhältnisse oder im Extremfall nur ein Geschlecht.
| Tierart | Muster | Pivottemperatur (1:1) | Werte und Quelle |
|---|
| Leopardgecko | Muster II: Weibchen bei kühler und sehr warmer Brut, Männchen dazwischen | untere zwischen 30 und 31 °C, obere zwischen 33 und 34 °C | Männchen bei 26 °C 0 %, 28 °C 2 %, 30 °C 29 %, 31 °C 83 %, 32 °C 90 %, 32,5 °C 74 %, 33 °C 80 % (5 Tiere), 34 °C 7 % (Viets et al. 1994) |
| Bartagame | Geschlecht genetisch angelegt, Wärme kann genetische Männchen zu Weibchen machen | keine | über 32 °C (Whiteley et al. 2021, nach Quinn et al. 2007), laut Lucky Reptile ab 34 °C nur Weibchen |
| Griechische Landschildkröte | Muster Ia: Männchen bei kühler, Weibchen bei warmer Brut | 31,5 °C | bis 30 °C nur Männchen, 32 °C 26 % Männchen, ab 33 °C nur Weibchen (Eendebak 2001, Testudo hermanni boettgeri) |
| Wasserschildkröten | je nach Art Muster Ia oder II, genetisch etwa bei Weich- und Schlangenhalsschildkröten | je nach Art | Valenzuela 2004 |
| Schlangen | keine temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung bekannt | keine | Valenzuela und Lance 2004 |
Die Pivottemperatur ist die gleichbleibende Bruttemperatur, bei der Männchen und Weibchen im Verhältnis 1:1 schlüpfen (Valenzuela und Lance 2004). Beim Muster II gibt es eine untere und eine obere Pivottemperatur. Beim Leopardgecko lag der Männchenanteil bei 30 °C bei 29 % und bei 31 °C bei 83 % (Viets et al. 1994). Bei der Griechischen Landschildkröte beschreibt Eendebak (2001) den Wechsel als abrupt. Wer gezielt Männchen oder Weibchen züchten will, recherchiert die Temperaturen für seine Art und prüft die Bruttemperatur mit einem Thermometer. Laut Lucky Reptile ist das gewünschte Geschlecht nicht garantiert, sondern nur wahrscheinlicher.
Brutsubstrate und Brutdosen im Vergleich
Lucky Reptile empfiehlt, die Eier in einer geschlossenen Dose mit kleinen Lüftungslöchern und Brutsubstrat zu bebrüten. Das Substrat puffert dabei die Temperatur. Im Sortiment stehen zwei Brutsubstrate und zwei Brutdosen, in denen die Eier über Wasser liegen:
| Produkt | Prinzip | Laut Hersteller |
|---|
| Trixie Vermiculit, 5 l | Substrat, wird angefeuchtet | natürliches Inkubationssubstrat, 2 bis 4 mm Körnung, wärmeisolierend und feuchtigkeitsabsorbierend, ohne chemische Zusatzstoffe |
| Lucky Reptile HatchRite, 2 l | Substrat, vorgefeuchtet | ohne Anfeuchten verwendbar, im Normalfall kein Nachfeuchten während der Brut |
| Lucky Reptile Hatch Box | Brutdose, Eier über Wasser | bis zu zwölf Eier bis 35 × 20 mm, mit Thermometer, passt nicht in den Egg-o-Bator |
| Exo Terra Inkubationsbox | Brutdose, Eier über Wasser oder Substrat | bis zu zwölf Eier bis 38 × 18 mm, mit Thermometer, 16,5 × 11 × 5 cm |
Lucky Reptile empfiehlt in den Anleitungen seiner Inkubatoren HatchRite, das bereits die richtige Feuchte hat und im Normalfall während der ganzen Brut nicht nachgefeuchtet werden muss. Trixie Vermiculit wird vor der Brut angefeuchtet. Wie das geht, steht im nächsten Abschnitt.
Substrat richtig anfeuchten: 1:1-Gewichtsmethode
Exo Terra schreibt für Vermiculit ein Verhältnis von 1:1 Wasser zu Substrat nach Gewicht vor, nicht nach Volumen. Dafür braucht es eine Waage. Wiegt das Substrat 100 g, kommen laut Exo Terra 100 g Wasser dazu.
In der Studie von Viets et al. (1994) lagen die meisten Eier in Vermiculit mit Wasser im Verhältnis 1:1 nach Gewicht. Beim Leopardgecko änderten trockenere oder feuchtere Substrate das Geschlechterverhältnis nicht.
Betten Sie die Eier laut Lucky Reptile zu etwa zwei Dritteln in das Substrat ein. Drehen Sie die Eier nicht, weil das laut Lucky Reptile in der Regel zum Absterben führt. Stellen Sie die Dosen leicht schräg, damit Kondenswasser seitlich abläuft und nicht auf die Eier tropft. Öffnen Sie den Inkubator zweimal pro Woche, um Frischluft zuzuführen und die Eier zu kontrollieren. Entfernen Sie verpilzte oder abgestorbene Eier sofort.
Inkubation über Wasser: Eier ohne Substratbett
In der Lucky Reptile Hatch Box liegen die Eier in einem Einsatz mit Mulden direkt über Wasser, sodass weder Brutsubstrat noch Anfeuchten nötig sind. In der Exo Terra Inkubationsbox schweben die Eier in einer Wanne über Wasser oder Substrat und liegen nicht im feuchten Substrat. Exo Terra empfiehlt 1 cm Substrat und 100 ml Wasser in der Box und rät von reinem Wasser ab.
Lucky Reptile nennt die Hatch Box für kleinere Eier wie von Leopardgeckos oder Bartagamen. Die Brut über Wasser ist laut Lucky hygienischer als im Substrat und senkt die Gefahr, dass Eier verpilzen. Die Hatch Box fasst bis zu zwölf Eier bis 35 × 20 mm, die Exo Terra Inkubationsbox bis zu zwölf Eier bis 38 × 18 mm, beide mit integriertem Thermometer. Laut Exo Terra nehmen die Eier in der Inkubationsbox mehr Sauerstoff auf und die Schlupfraten sind besser. Die Hatch Box passt laut Lucky Reptile nicht in den Egg-o-Bator.
Inkubatoren im Vergleich
Im Sortiment stehen drei Inkubatoren: der Lucky Reptile Egg-o-Bator mit drei festen Temperaturstufen, der Exo Terra Inkubator Pro mit frei einstellbarer Temperatur und Regelung der Luftfeuchte sowie der Lucky Reptile Herp Nursery 3, der heizt und kühlt. Die Tabelle stellt die Geräte gegenüber:
| Inkubator | Temperatur | Kühlung | Luftfeuchte | Innenraum |
|---|
| Lucky Reptile Egg-o-Bator | 26, 29 oder 32 °C, feste Stufen | nein | keine Regelung | 4 l, bis zu drei Brutdosen, drei liegen bei |
| Exo Terra Inkubator Pro | 10 bis 38 °C, digital | nein, nicht unter die Umgebungstemperatur | Hygrostat mit USB-Luftbefeuchter, bis 95 % | 40,5 × 40,5 × 16 cm |
| Lucky Reptile Herp Nursery 3 | 5 bis 40 °C, digital | ja, bis etwa 18 °C unter die Umgebungstemperatur | keine Regelung | 28,8 l |
Den Lucky Reptile Egg-o-Bator hat Lucky Reptile für einen kostengünstigen und unkomplizierten Einstieg in die Reptilienzucht entwickelt. Für mehr Eier, eine bestimmte Temperatur oder für den Sommer verweist Lucky auf ein Gerät mit mehr Möglichkeiten, das gegen Überhitzung automatisch kühlt. Der Exo Terra Inkubator Pro hat keine Kühlfunktion und erreicht laut Exo Terra keine Temperaturen unter der Umgebungstemperatur. Der Lucky Reptile Herp Nursery 3 kühlt laut Lucky Reptile bis etwa 18 °C unter die Umgebungstemperatur und eignet sich auch für die Überwinterung, zum Beispiel Griechischer Landschildkröten.
Egg-o-Bator und Herp Nursery 3 besitzen laut Lucky Reptile keinen doppelt abgesicherten Thermostat. Lucky Reptile empfiehlt, einen zusätzlichen Thermostat wie den Lucky Reptile Thermo Control PRO II dazwischenzuschalten und eine etwas höhere, für die Eier noch sichere Temperatur einzustellen, damit er den Inkubator bei zu starkem Temperaturanstieg abschaltet. Außerdem rät Lucky Reptile, den Inkubator vor dem Einlegen der Eier einige Tage mit den später verwendeten Dosen laufen zu lassen und die Temperatur regelmäßig zu kontrollieren. Exo Terra verlangt für den Inkubator Pro regelmäßige Temperaturkontrollen mit einem separaten, kalibrierten Thermometer.
Diapause: Wenn die Entwicklung im Ei ruht
Beim Jemenchamäleon ruht die Entwicklung der Embryonen nach der Eiablage monatelang in einem frühen Stadium (Andrews und Donoghue 2004). Nach 40 Tagen bei 25 °C kamen die Eier in der Studie teils in wärmere Bedingungen. Insgesamt setzte die Entwicklung nach 50 bis 60 Tagen ein, teils erst nach 80 oder mehr Tagen. Bei wärmerer Brut setzte sie etwa zehn Tage früher ein. Die Autoren sehen im Temperaturanstieg den Auslöser.
Die Feuchte des Substrats hatte auf die Dauer der Ruhephase keinen Einfluss (Andrews und Donoghue 2004). Lucky Reptile nennt für das Jemenchamäleon eine Brutdauer von 120 bis 209 Tagen.
Schlupf und die ersten Wochen
Sobald die ersten Eihüllen einreißen, beginnt der Schlupf. Dieser Vorgang dauert bei Reptilien oft 24 bis 48 Stunden; das frisch geschlüpfte Tier bleibt häufig noch Stunden im Ei und absorbiert den Dottersack. Geöffnet wird nichts manuell, außer im Notfall (Ei reißt nicht, andere Schlüpflinge sind schon vier Tage länger draußen).
Frischlinge kommen in eine separate Aufzuchtbox mit niedriger Höhe, Versteckmöglichkeiten und einer kleinen Wasserstelle. Die Häutung erfolgt meist nach drei bis sieben Tagen und ist der natürliche Startpunkt für die erste Fütterung. Die Aufzuchtkost richtet sich nach der Art. Insektenfresser bekommen Mikrogrillen oder kleine Heimchen, Kornnattern-Schlüpflinge starten mit pinkies (sehr kleinen Babymäusen), Schildkröten direkt mit weichen Pflanzenteilen.
Inkubation, Klimaführung und Aufzucht verlangen aufeinander abgestimmte Geräte. Die übrige Technikausstattung für Terrarien steht in der Übersicht.
Häufige Fragen zu Inkubatoren und Nachzucht
Welches Mischverhältnis eignet sich für Vermiculit als Brutsubstrat?
Exo Terra schreibt für Vermiculit ein Verhältnis von 1:1 Wasser zu Substrat nach Gewicht vor, nicht nach Volumen. Auch in der Studie von Viets et al. (1994) lagen die meisten Eier in Vermiculit mit Wasser im Verhältnis 1:1 nach Gewicht. Lucky Reptile HatchRite kommt bereits mit der richtigen Feuchte und braucht kein Anmischen.
Bei welcher Temperatur brüte ich Leopardgecko-Eier?
Lucky Reptile nennt für den Leopardgecko eine Bruttemperatur von 26 bis 31 °C, Exo Terra 26 bis 30 °C. In der Studie von Viets et al. (1994) lag der Anteil der Männchen bei 28 °C bei 2 %, bei 30 °C bei 29 %, bei 32 °C bei 90 % und bei 34 °C bei 7 %. Lucky Reptile nennt für den Egg-o-Bator 26 °C für Weibchen und 32 °C für Männchen. Laut Lucky Reptile ist ein Geschlecht dabei nicht garantiert, sondern nur wahrscheinlicher. In der Anleitung zur Herp Nursery 3 nennt Lucky für Männchen 31,5 bis 32,5 °C, also mehr als die allgemeine Spanne, und für Weibchen 24 bis 27 °C.
Wie lange dauert die Bebrütung verschiedener Reptilieneier?
Laut Lucky Reptile dauert die Brut beim Leopardgecko 45 bis 65 Tage, bei der Kornnatter 55 bis 86, beim Königspython 55 bis 71, bei der Bartagame 55 bis 86, bei der Griechischen Landschildkröte 54 bis 79 und beim Jemenchamäleon 120 bis 209 Tage. Die Werte gelten für die Bruttemperaturen in der Tabelle oben. In der Egg-o-Bator-Anleitung ist die Brut auf der wärmeren Stufe jeweils kürzer.
Welche Reptilien haben temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung?
Beim Leopardgecko schlüpfen nach Viets et al. (1993) Weibchen bei kühler und bei sehr warmer Brut, Männchen dazwischen (Muster II). Bei der Griechischen Landschildkröte liegt das Verhältnis 1:1 nach Eendebak (2001) bei 31,5 °C. Bei der Bartagame ist das Geschlecht genetisch angelegt und genetische Männchen können laut Whiteley et al. (2021) über 32 °C zu Weibchen werden. Bei Schlangen ist eine temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung nicht bekannt (Valenzuela und Lance 2004).
Worin unterscheidet sich die Brut über Wasser von der Brut im Substrat?
Bei der Brut über Wasser liegen die Eier in Mulden einer Brutdose und das Anfeuchten entfällt. Im Substrat liegen sie laut Lucky Reptile zu etwa zwei Dritteln eingebettet und das Substrat puffert die Temperatur. Laut Lucky Reptile ist die Brut über Wasser hygienischer und die Gefahr des Verpilzens geringer.
Wann brauche ich einen Inkubator mit Kühlung?
Der Exo Terra Inkubator Pro hat keine Kühlung und erreicht laut Exo Terra keine Temperatur unter der Umgebungstemperatur. Wer im Sommer eine Überhitzung fürchtet, dem rät Lucky Reptile zu einem Gerät mit Kühlung. Der Lucky Reptile Herp Nursery 3 kühlt laut Lucky Reptile bis etwa 18 °C unter die Umgebungstemperatur.
Welcher Inkubator für Einsteiger?
Für den Einstieg eignet sich laut Lucky Reptile der Egg-o-Bator, dessen drei Stufen auf gängige Arten wie Bartagame, Leopardgecko und Kornnatter abgestimmt sind. Der Exo Terra Inkubator Pro bietet nach Angabe von Exo Terra eine frei einstellbare Temperatur und eine geregelte Luftfeuchte. Der Lucky Reptile Herp Nursery 3 bietet mehr Platz als der Egg-o-Bator und kühlt.
Wie öffne ich ein Ei, das nicht selbst schlüpft?
Geöffnet wird nur im Notfall, etwa wenn andere Schlüpflinge schon vier Tage länger draußen sind und das letzte Ei stagniert. Mit einer sterilen Nagelschere wird ein kleines Loch geschnitten, ohne das Tier zu verletzen. Der Schlupfvorgang läuft dann oft von allein weiter. Im Zweifel reptilienkundige Tierärztin konsultieren.