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Allgemeines zum Jemenchamäleon Teil 1

Jemenchamäleon Nachwuchs friss Drosophila

DAS JEMENCHAMÄLEON
CHAMAELEO CALYPTRATUS
Von Dr. Carsten Schneider

Teil 1 - Allgemeines

Verbreitung und Lebensraum
Verbreitungsgebiet des Jemenchamäleons ist die südliche Arabische Halbinsel, von der Asir-Provinz Saudi-Arabiens bis nach Aden im Jemen.
In Teilen Floridas wurde es bewusst ausgewildert und hat sich dort mittlerweile etabliert (LOVE 2003; KRYSKO et al. 2004).
Außerdem wurde es in stabilen, noch lokalen Populationen auf Maui / Hawaii (MASUOKA 2002) beobachtet.
Diese haben sich von 2002–2004 erheblich vermehrt und gelten als Bedrohung für die heimische Fauna. Da die Chamäleons ideale Lebensbedingungen vorfinden und keine Feinde zu fürchten haben, ist sogar mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen. Aufgrund des dort bestehenden dichten Regenwaldes lässt sich das auch durch groß angelegte Absammelaktionen kaum noch verhindern (HURLEY 2004). Mit weiteren Vorkommen durch ausgesetzte Tiere ist bei geeigneten Lebensbedingungen sicherlich zu rechnen.
Chamaeleo calyptratus kommt in den unterschiedlichsten Habitaten vor (NECAS 1999; SCHMIDT 1999). Die Lebensräume liegen in Höhen zwischen 500 und 2.800 m ü. NN sowohl in feuchtwarmen Gebieten mit häufigen Regenzeiten als auch in trockenen Gebieten mit Nachtfrost. Entsprechend unterschiedlich sind Luftfeuchtigkeit und Temperatur.
Auffällig ist eine Tag-Nacht-Schwankung von z. B. im Sommer tagsüber 35 °C und nachts 20 °C. Die Tiere halten
sich auf dem Boden, in Maisfeldern, in Gebüschen und auch hoch in den Bäumen auf, meist jedoch tagsüber in 1–3 m Höhe und nachts zum Schlafen an den Spitzen der höchsten Äste. Die Vegetationsform reicht von üppigen Bergwäldern bis zur kargen Hochebene mit wenig Bewuchs.

Systematik und Entwicklungsgeschichte
Familie der Chamäleons (Chamaeleonidae) zählt innerhalb der Klasse der Kriechtiere (Reptilia) zur Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata) und hier zur Unterordnung der Echsen (Sauria). Zusammen mit den beiden Familien der Leguane und der Agamen gehört sie zur Zwischenordnung der Iguania.
Nach der Erstbeschreibung durch DUMERIL & DUMERIL (1851) wurde das Jemenchamäleon in die Gattung Chamaeleo gestellt und auch seither dort belassen. Es wird auch zur Untergattung Chamaeleo gerechnet, der vollständige Name lautet also Chamaeleo (Chamaeleo) calyptratus.
Auch wenn sich die Populationen aus den unterschiedlichen Gebieten im Jemen und in Saudi-Arabien optisch voneinander z. T. deutlich unterscheiden, handelt es sich nach bisherigem Kenntnisstand nicht um verschiedene
Unterarten. Außerdem leben in der Region um Asir/Saudi-Arabien fruchtbare Bastarde Ch. calyptratus
x Ch. arabicus, die 1870 von PETERS fälschlich als Unterart Ch. calyptratus calcarifer beschrieben wurden (NECAS 1999).

Beschreibung
Chamaeleo calyptratus gehört zu den großen Chamäleonarten. Die Männchen werden im natürlichen Habitat über 60 cm lang und ca. 6–7 Jahre alt. Im Terrarium bleiben sie mit 50 cm etwas kleiner. Die Weibchen sind mit etwa 30 cm deutlich kleiner und leben bei mehreren Eiablagen nur ca. 3 Jahre. Von der Gesamtlänge fällt die Hälfte jeweils auf den Schwanz. Die Männchen tragen einen imposanten, bis zu 8 cm hohen Helm auf dem Kopf. Bei den Weibchen ist der Helm nur angedeutet sichtbar, wobei allerdings individuelle Unterschiede bestehen. Daran schließt sich ein Rückenkamm bis auf die Schwanzspitze an. Die Kehle weist ebenfalls einen Kamm auf, der als Bauchkamm bis zur Kloake weiterzieht. Der Körper ist mit Schuppen bedeckt, die in den verschiedenen Körperregionen unterschiedliche Größen haben. Da die oberste Hautschicht verhornt ist und nicht mitwachsen kann, häuten sich die Tiere in unregelmäßigen Abständen in mehreren kleinen Fetzen. Dieser Vorgang kann 1–3 Tage dauern und wird von den Tieren aktiv durch Scheuern an Ästen unterstützt.
Die Körperform ist perfekt an die baumbewohnende Lebensweise angepasst. Durch die Hilfe verschiedener Rumpfmuskeln und der Lungensäcke ist es Ch. Calyptratus möglich, seinen Körper in „Blattform“ zu bringen. Hierbei wird er sehr hoch und schmal aufgestellt, sodass große Männchen fast aussehen wie eine große Frisbee-Scheibe. Diese spezielle Körperform hilft bei der Balz, beim Drohen, beim Verstecken hinter dünnen Stämmen und beim optimalen Ausnutzen der Sonnenstrahlen zum Aufwärmen.
Jemenchamäleons besitzen Greiffüße, bei denen zwei und drei der fünf Finger zusammengewachsen sind; vorne finden sich außen zwei und innen drei Zehen – hinten genau umgekehrt. Hiermit können sie sich auch im schaukelnden Geäst sicher bewegen. Dabei hilft ihnen als „fünfter Fuß“ der weder abwerfbare noch regenerierbare Greifschwanz.
Das Jemenchamäleon verfügt über eine breite Farbskala (weiß, schwarz, grau, braun, grün, gelb und orange). Die Grundfärbung des Männchens ist ein helles Gelbgrün, unterbrochen von mehreren gelben Querbinden und braunen Flecken auf dunkelgrünem Grund.
Die Weibchen zeigen eine grasgrüne Grundfärbung mit kleinen weißen Streifen und braunen Flecken. Die spektakulärsten Farbkombinationen (grelle gelbe und türkis Streifen mit Punkten) zeigen die Männchen während der Balz, wenn sie ein Weibchen oder einen männlichen Rivalen erblicken. Das Weibchen zeigt sein schönstes Farbenkleid (türkis und gelborange Flecken auf schwarzem Untergrund) als Abwehrreaktion bei Sichtung eines Männchens bzw. im bereits trächtigen Zustand. Farbwechsel entstehen bei Stimmungsschwankungen. Sie dienen vorrangig der innerartlichen Kommunikation und nur untergeordnet der Anpassung an die Umgebung, wobei die Chamäleons in ihrer Grundfärbung (neutrale Stimmung) gut in das Habitat „passen“.
Die hochspezialisierten Augen können unabhängig voneinander bewegt werden und suchen unermüdlich die Umgebung nach Artgenossen, Feinden oder Beute ab. Die Chamäleons können, ohne ihren Kopf zu bewegen, einen Blickwinkel von fast 360 Grad überblicken. Erst zum Scharfstellen, z. B. kurz vor dem Zungenschuss,
fokussieren beide Augen dasselbe Objekt.
Gehör und Geruchssinn haben sich im Verlauf der Evolution weit zurückgebildet. Bei Vorhandensein des Jacobsonschen Organs müssen ein nicht sehr differenzierter Geruchs- und Geschmacksinn aber trotzdem vorhanden sein (NECAS 1999).
Bis auf ein Fauchen, Zischen und leises Quietschen bei Bedrohung sind Jemenchamäleons zu keiner Lautäußerung fähig.
Immer wieder imposant ist der Schleuderzungenmechanismus, mit dem die Beute in Bruchteilen einer Sekunde ins Maul befördert wird. Hierbei wird sie vom keulenförmigen Zungenende umklammert und zusätzlich von einem klebrigen Sekret gehalten. Der gesamte komplexe Zungenschuss läuft in fünf Phasen ab und erreicht eine erstaunliche Schussweite von etwa der Gesamtlänge des jeweiligen Tieres. Das Jemenchamäleon ist aber auch in der Lage, ohne Zungenschuss Obst oder Beutetiere in seiner Nähe mit dem Maul direkt zu packen.
Der Geschlechtsdimorphismus (äußerliche Unterschiede der Geschlechter) ist bei adulten Tieren sehr deutlich ausgebildet. Neben den unterschiedlichen Farbpaletten sind die Männchen viel größer, tragen höhere Helme und Kämme, besitzen eine verdickte Schwanzwurzel und Sporne auf dem Hinterfuß.

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