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Erkrankungen und Therapie beim Jemenchamäleon Teil 2

Jemenchamäleon semiadult

Eierproduktionsstörung
Eine weitere von mir beobachtete Reproduktionsstörung stellt sich besonders bei alten trächtigen Weibchen ein: Des Öfteren konnte ich beobachten, dass diese nach sicher nur einmalig erfolgter Paarung über Monate immer wieder unbefruchtete Gelege oder einzelne Eier absetzten. Hierdurch sind die Tiere schließlich so geschwächt, dass sie versterben. Da es keine Therapie zu geben scheint, rate ich, alte Weibchen (ab ca. 3,5 Jahren) nicht mehr zu verpaaren.

Darmerkrankungen mit Durchfall
Übler Geruch aus dem verschleimten Maul sowie amorpher Kot (dünnflüssig, schleimig, ungeformt) deuten auf eine Störung des Verdauungstraktes hin. Durchfall oder blutige Darmentzündungen können verschiedene Ursachen haben. Zur Diagnostik sollte die o.g. Kotuntersuchung erfolgen, da meist Erreger für Durchfallerkrankungen verantwortlich sind. Bis zum Vorliegen des Ergebnisses sollte keine unspezifische Medikamententherapie erfolgen, da sie im Zweifelsfall eher schadet (Tod des Tieres durch Vergiftung, Entwicklung von Antibiotikaresistenzen). Die Dehydration muss sofort mit einer Elektrolytlösung behandelt werden, da die Tiere sonst apathisch werden und versterben. Neben Wasser sollte mehrmals täglich eine 0,9%-ige Kochsalz- oder Ringerlösung (aus der Apotheke; insgesamt ca. 3 ml/100g Körpergewicht pro Tag) mit der Pipette verabreicht werden. Bei oraler Aufnahmeverweigerung können die Elektrolyte auch vom Tierarzt als Injektion über die Haut zugeführt werden. Eine Dehydration kann bei frisch importierten Chamäleons vorliegen, die aufgrund eines langen Transportes kein Wasser zu sich nehmen konnten und sollten entsprechend versorgt werden. Diese Tiere zeigen eingefallene Augen und übermäßig faltige Haut. Ein zu trockenes Klima entzieht dem Chamäleonkörper über die Haut und die Atmung ebenso Flüssigkeit, sodass eine Dehydration und die entsprechenden Folgen drohen.

Verstopfung
Eine Verstopfung durch einseitige Ernährung ohne ausreichend Ballaststoffe kann durch den erhöhten Pressdruck beim Kotabsetzen zu einem Darm- oder Kloakenvorfall führen. Der vorgefallene Darm muss dann entweder zurückgedrückt und angenäht oder sogar amputiert werden. Dieses lässt sich verhindern, indem auf abwechslungsreiche Ernährung (Gabe von eiweißarmen Insekten wie Heuschrecken, nicht zu oft Mäusebabys anbieten, Gabe von Obst) und ausreichend Flüssigkeitszufuhr geachtet wird.

Gicht
Eine Dehydration und/oder zu proteinreiche Ernährung können zur Nieren-, Eingeweide- und Gelenkgicht führen. Hierbei wird das Eiweißabbauprodukt Harnsäure im Gewebe angereichert, was zu Nieren- bzw. Organversagen und schließlich zum Tod der Tiere führen kann. Sind die Gelenke betroffen, kommt es zur Gelenkdeformierung bis zur Gehunfähigkeit. Entlang der Wirbelsäule wird eine raupenartige Längsanschwellung sichtbar. Durch hoch dosierte Vitamin-A-Gaben und reichlich Flüssigkeitszufuhr kann die Gichterkrankung am Fortschreiten gehindert werden. Eine Heilung ist praktisch nicht möglich. Es ist somit vorbeugend auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gesunde Ernährung zu achten.

Leberverfettung
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass adulte Chamäleons ebenso nicht übermäßig gefüttert werden dürfen. Das Jemenchamäleon neigt nämlich dazu – im Lebensraum, um schlechteren Zeiten vorzubeugen –, große Mengen an Futter aufzunehmen. Das führt zur Leberverfettung und damit zur Blutverdickung. Der Bewegungsmangel im Terrarium verstärkt die Verfettung noch, und es kann zu einer Trägheit des Tieres sowie bei steigender Herzfrequenz zu Kreislaufversagen kommen. Da auch hier keine spezifische Therapie bekannt ist, helfen wieder nur Vorbeugung durch regelmäßige Futtergabe von kleinen Mengen sowie gelegentliche Fastenzeiten. Auch die zu häufige Gabe von nestjungen Mäusen, Wachsmaden und Mehlwürmern verursacht eine Leberverfettung.


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