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Erkrankungen und Therapie beim Jemenchamäleon, Teil1:

Erkrankungen beim Jemenchamäleon Teil 1

Immer noch gestalten sich die Diagnostik und Therapie von Krankheiten beim Jemenchamäleon sehr schwierig. Auch mir als Humanmediziner fällt es schwer, jedes Mal die Ursache für die Entwicklung einer Erkrankung auszumachen. Symptome wie Nahrungsverweigerung, Durchfall, Erbrechen und Aktivitätsverlust sind so unspezifisch, dass sie auf sehr unterschiedliche Erkrankungen hinweisen können. Gerade weil auch viele Tierärzte mit Reptilienkrankheiten unerfahren sind, möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, einige Tipps zur Vermeidung und Behandlung von Krankheiten zu geben. Grundsätzlich sollte bei allen Erkrankungen ein mit Reptilien erfahrener Veterinär aufgesucht werden. Solche Spezialisten sind über die DGHT zu erfragen bzw. über deren Homepage auf einer Liste zu finden. Natürlich sollte es für jeden Terrarianer erste Priorität sein, durch richtige Haltung und Ernährung eine Erkrankung seiner Pfleglinge zu vermeiden. Denn leider ist ein erst einmal fortgeschritten erkranktes Tier so gut wie verloren. Durch regelmäßige Verhaltensbeobachtungen kann man jedoch bereits das Anfangsstadium einer Erkrankung erkennen. Und dann lassen sich diverse Krankheiten sehr wohl therapieren bzw. ihr Fortschreiten lässt sich verhindern.

Infektionen und Parasiten
Unter Terrarienbedingungen wird das physiologische Gleichgewicht zwischen Wirt (Chamäleon) und Parasit durch Schwächung des Wirts aufgrund der gravierenden Änderung der Umweltbedingungen nach der Naturentnahme und des damit verbundenen Stresses gestört. Es kommt, anders als in der Natur, zu einem „Übergewicht“ der Parasiten und in der Folge zu Gesundheitsstörungen beim Wirt. Besonders Jungtiere sind aus Gründen der Besatzdichte, der häufigen Kotabsonderung und Nahrungsaufnahme für Infektionskrankheiten besonders anfällig. Da das Immunsystem häufig mit einer Infektionserkrankung nicht fertig wird, kann sie bei bis zu 50 % der Individuen zum Tod führen. Wenn die erworbenen Tiere nicht direkt vom Züchter stammen oder es sich um Wildfänge handelt, sollte man sie nach Außenparasiten (Ektoparasiten, also Milben und Zecken) absuchen und diese ggf. mit einer Pinzette entfernen. Milben müssen ggf. nach tierärztlicher Rücksprache mit entsprechenden Präparaten bekämpft werden. Unter der Haut gelegene Parasiten (Bandwurmlarven, Spulwürmer) lassen sich nur chirurgisch vom Tierarzt entfernen. Außerdem ist es sinnvoll, Kotproben zur Untersuchung auf innere Parasiten (Endoparasiten), Bakterien, Würmer und Einzeller (Amöben, Kokzidien u. a.) bei einem darauf spezialisierten Institut einzuschicken. Dort kann die mögliche Infektionskrankheit bestimmt werden, und man erhält anschießend Behandlungsvorschläge. Nur eine Wurmkur mit „Panacur“ (ca. 25–100 mg/kg Körpergewicht) gegen Nematoden und „Molevac“ (1 ml/kg Körpergewicht) gegen Oxyuren kann nach Rücksprache mit dem Tierarzt selbstständig erfolgen, da geringfügige Überdosierungen keine Schäden beim Chamäleon anrichten können. Antibiotika und andere Medikamente führen schon bei geringer Überdosierung zu Organschäden und zum Tod des Tieres und dürfen nur unter tierärtzlicher Anleitung verabreicht werden. Weit aus den Augenhöhlen tretende Augäpfel sind häufig der Hinweis auf eine Bindehautentzündung oder das Endstadium eines Mikrobenbefall mit Pseudomonas-Bakterien. Während sich eine Bindehautentzündung meist spontan oder durch Antibiotikagabe zurückbildet, ist das Endstadium des Pseudomonas-Befalls nicht mehr zu kurieren. Die Tiere sind zu diesem Zeitpunkt bereits erheblich immungeschwächt und versterben trotz Antibiotikatherapie. Eine relativ seltene Erkrankung stellt die Lungenentzündung dar. Zu kalte und nasse Haltung gepaart mit stickiger Luft und Immunschwäche kann zu einem Befall der Atmungsorgane mit Krankheitserregern führen. Diese äußert sich in tiefer und schneller Atmung bei geöffnetem und schleimigem Maul. Virusinfektionen sind beim lebenden Jemenchamäleon schwierig zu diagnostizieren und zu therapieren. Zur Klärung der Todesursache sollte in fragwürdigen Fällen eine Sektion in Auftrag gegeben werden.

Häutungsprobleme
Von Häutungsproblemen kann man ausgehen, wenn sich am Körper eine Woche nach Beginn der Häutung noch Hautfetzen befinden. Das spricht für einen Vitamin-A-Mangel oder zu trockene und/oder zu kalte Haltungsbedingungen. Sollte sich dieses Problem nach Änderung der Luftfeuchtigkeit nicht von selbst lösen, helfen ein warmes Bad des betroffenen Tieres in Kamillewasser oder das Auftragen von Bepanthensalbe mit anschließender Entfernung der Hautreste von Hand. Die nicht entfernten Oberhautreste könnten von Pilzen befallen werden oder bei Jungtieren ringförmig die Extremitäten so abschnüren, dass diese schließlich absterben, sie müssen also auf jeden Fall entfernt werden. Die Ursache für die Probleme muss gefunden und abgestellt werden.

Hauterkrankungen
Hautverletzungen oder Geschwüre, insbesondere am Maul, sollten sofort mit einem Gemisch aus 5% Gentianaviolett und 70 % Alkohol oder 3 % Wasserstoffperoxid bzw. 1 % Hypermangan- oder Betaisodona- Lösung desinfiziert werden. Das Auftragen kann mit Hilfe eines Wattestäbchens erfolgen. Bereits entzündete Wunden müssen zusätzlich nach Absprache mit dem Tierarzt mit Antibiotika-Salbe oder -Pulver (z. B. „Nebacetin“ über 14 Tage), oraler („Baytril“ 5 mg/100 g Körpergewicht für fünf Tage) bzw. intramuskulärer Antibiotikagabe (z.B. „Chloramphenicol“, „Streptomycin“) und chirurgischer Entfernung des Eiterherdes behandelt werden. Die Maulfäule (fortgeschrittene Entzündungen am Maul durch Pseudomonas-Bakterien) schreitet rasant voran und führt schnell zum Tod der Chamäleons. Hautverpilzungen (z. B. Fusarium) können nach Verletzungen sowie bei zu nasser und kalter Haltung entstehen. Die befallenen Hautareale sind in der Regel schwarz und die Häutung gestört. Sie sollten mit Hypermangan-Lösung oder Antimykotika nach tierärztlicher Anweisung behandelt werden, da bei Fortschreiten der Infektion erhebliche Hautschäden die Folge sein können, außerdem besteht die Gefahr, dass der Darm und andere Organe befallen werden. Erhöhte Vitamingaben unterstützen die Heilung noch zusätzlich. Natürlich sind in allen Fällen die Ursachen zu finden und abzustellen. Schmerzen aufgrund von Verbrennungen am Helm oder Rückenkamm lassen sich mit kühlender „Flammazine“-Salbe lindern. Um eine Infektion verbrannter Stellen zu vermeiden oder diese zu behandeln, sollten im Wechsel dazu ebenfalls Antibiotika-Salbe/Puder oder „Peru-Balsam“ Anwendung finden. Abszesse (Eiterbeulen) müssen chirurgisch vom Tierarzt eröffnet werden.

Rachitis
Das weitaus größte Problem, insbesondere bei Jungtieren, stellt die Ausbildung von Mangelerscheinungen wie Rachitis, Osteomalazie und Zungenlähmung dar. Trotz neu entwickelter Präparate wie „Aminorep“ kann es im Verlauf des Chamäleonlebens, insbesondere in den ersten vier Monaten oder in der Trächtigkeitsperiode, plötzlich zu diesem Problem kommen. Hierbei sind bei Jungtieren zuerst die Extremitäten und Gelenke betroffen. Wie auch beim Helm, Kiefer, der Wirbelsäule und dem Schwanz kommt es zu meist irreversiblen Deformierungen durch Knochenerweichung oder Knochenbrüche, die die Tiere erheblich in ihrer Bewegung behindern, aber auch langfristig nicht immer zum Tod führen müssen. Sie gehen dann auf ihren Kniegelenken. Am Brustkorb wird der so genannte Rosenkranz (ringförmige Rippenbuckelbildung) sichtbar. Vorbeugen kann man dieser Erkrankung mit abwechslungsreicher Ernährung, UV-B-Strahlung und gut dosierter Zugabe von Ergänzungspräparaten. Diese sollten nicht nur Kalk und Vitamine, sondern auch andere Mineralstoffe und Aminosäuren enthalten. Außerdem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Therapeutisch sollte man bereits bei ersten Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Zungenschwäche und Aktivitätsverlust eingreifen, weil die Erfolgsaussichten mit Fortschreiten der Erkrankung deutlich schwinden und einige Symptome wie Beinverkrümmungen und Zungenschwäche irreversibel sind. Bewährt hat sich bei mir eine intensive UV-B-Bestrahlung (z. B. 30 Minuten täglich mit „Ultra Vitalux“ von Osram, ca. 50 cm Abstand) sowie eine Appetitsteigerung mit Appetitanregern (Darmbakterien) aus dem Handel (z. B. „Bird Bene Bac“, 2–3 x täglich erbsengroße Portionen in das Maul geben), die die natürliche Darmflora wieder herstellen sollen. Sollten die Tiere schon die Nahrung verweigern, beginne ich eine tägliche Zwangsfütterung mit einem Brei aus zerkleinerten Grillen, Banane und „Aminorep“ in einer harten, gekrümmten und großvolumigen Pipette. Außerdem gebe ich jeweils ca. 5 ml Wasser dazu. Auch hierbei hilft, wenn man die Chamäleons an die Futter- bzw. Wassergabe von der Pinzette bzw. aus der Pipette gewöhnt hat. Wenn die Tiere ihr Maul nicht freiwillig oder beim Drohen öffnen, gelingt das Maulöffnen zwangsweise mit einer weichen Plastik-Pipette, ohne die Zähne oder das Maul zu verletzen. Dieses Vorgehen praktiziere ich, wie oben beschrieben, auch bei geschwächten Weibchen nach der Eiablage. Nach einer längeren Nahrungskarenz (= lange Zeit nichts gefressen) dürfen nicht gleich zu große Mengen verabreicht werden, da der Magen sich erst wieder an die Nahrung gewöhnen muss und die Tiere den Brei sonst erbrechen. Außerdem sollte man vor jeder Zwangsfütterung testen, ob sich das Tier erholt hat und bereits wieder selbstständig Futterinsekten schießt. Mit diesem Vorgehen gelang es mir häufig, bereits verloren geglaubte Tiere noch zu retten. Wobei Tiere mit fortgeschrittener Apathie (krankhafte Schläfrigkeit) meist verloren sind. Sie zeigen zunächst über Wochen graue Farbtöne und wenige Tage vor dem Tod überraschend auffallend bunte Farben. Stress kann gelegentlich eine Nahrungsverweigerung auslösen und mit sehr dunklen Farben einhergehen.

Legenot
Bei trächtigen Weibchen tritt bei falschen Haltungsbedingungen, ungeeignetem Ablagesubstrat, Stress, Nährstoffmangel oder mechanischer Eileiterverengung häufig Legenot auf. Hierbei ist das hochträchtige Tier nicht in der Lage, alle Eier ohne Hilfe abzulegen, und stellt seine Grabaktivitäten ein, obwohl der Ablagetermin längst überschritten ist. Insbesondere zu junge Weibchen neigen zu dieser lebensbedrohlichen Störung. Beginnen die Eier im Leib zu faulen, sterben die Tiere an Organversagen oder einer eitrigen Infektion. Sollte trotz optimierter Eiablagebedingungen eine Legenot vermutet werden, sollte sofort der Tierarzt aufgesucht werden. Er kann gelegentlich durch sanftes Herausmassieren der Eier in Richtung Kloake den Ablagevorgang einleiten. Gelingt dies nicht, kann er die Eiablage durch hochdosierte Kalzium-/Vitamin-D-Gaben, Vitamin-Injektionen oder Hormon-/Kalziumgaben auslösen. Sollte auch eine erneute Gabe am Folgetag nicht den gewünschten Erfolg bringen, müssen die Eier chirurgisch entfernt werden, um das Leben des Muttertieres zu retten. Kommt es durch o.g. medizinische Maßnahmen zur Eiablage, sollte per Röntgenkontrolle geklärt werden, ob weitere Eier im Leib verblieben sind.

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