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Heimchen füttern und halten: Futter, Haltung & Aufwerten

Heimchen sind Hausgrillen (Acheta domesticus) und gehören zu den Echten Grillen. In der Terraristik sind sie ein vielseitiges Futterinsekt für viele Reptilien und Amphibien. Wer sie sauber hält und gezielt aufwertet, verfüttert ein deutlich nährstoffreicheres Tier.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind Heimchen? Hausgrille, Größe und Lebensdauer
  2. Was fressen Heimchen? Allesfresser mit klaren Tabus
  3. Heimchen richtig halten bis zur Verfütterung
  4. Aufwerten und Bestäuben vor dem Verfüttern
  5. Pestizid-Schnellcheck mit dem Heuschrecken-Test
  6. Häufige Fragen zur Heimchen-Haltung

Was sind Heimchen? Hausgrille, Größe und Lebensdauer

Heimchen (Acheta domesticus), umgangssprachlich Hausgrille, sind eine Grillenart aus der Familie der Echten Grillen (Gryllidae, Unterordnung Ensifera). In der Terraristik werden sie am häufigsten als Futterinsekt eingesetzt, weil sie einfach zu halten, gut verfügbar und nährstoffreich aufwertbar sind.

Ausgewachsene Tiere erreichen rund 16 bis 21 mm Körperlänge, mit Legeröhre der Weibchen bis etwa 2,5 cm. Ursprünglich stammt die Art aus Südwestasien, sie ist heute weltweit verbreitet (de.wikipedia.org). Der gesamte Lebenszyklus dauert bei warmer Haltung rund zwei bis drei Monate. Als ausgewachsenes Tier leben Heimchen etwa vier bis acht Wochen (FAO). Wer in der Terraristik „Grille" sagt, meint fast immer ein Heimchen.

Was fressen Heimchen? Allesfresser mit klaren Tabus

Als Allesfresser ist die Hausgrille kulinarisch wenig wählerisch. In freier Natur frisst sie pflanzliche Kost, Aas und gelegentlich kleine Insekten. Geringe Mengen tierischen Proteins gehören mit ins Futter, sonst neigen die Tiere bei Mangel zu Kannibalismus. Im Terrarium kombinieren Sie am besten frisches Obst und Gemüse mit einem Trockenfutter auf Getreidebasis.

FrischfutterTrockenfutterEher meiden
Apfel, Birne, Banane, Kiwi, Weintraube, Erdbeere Spezielles Heimchen- oder Grillenfutter Zitrusfrüchte (hohe Säure, oft stark gespritzt)
Karotte, Gurke, Zucchini, Salat, Tomate Kleie und Haferflocken (zugleich Bodengrund) Gespritztes oder gedüngtes Grün (Spritzmittelreste können den Bestand schädigen)
kleine Mengen Zierfisch- oder Hundefutter (Protein) Getreideschrot Hühnerfutter (mögliche Kokzidiostatika, ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis)

Verwenden Sie ausschließlich rückstandsfreies Obst und Gemüse. Entfernen Sie nicht gefressenes Feuchtfutter spätestens nach zwei bis drei Stunden, damit kein Schimmel entsteht.

Ernährungstipps für Heimchen

Heimchen richtig halten bis zur Verfütterung

Die Transportverpackung ist keine Dauerhaltung. Setzen Sie die Heimchen nach dem Kauf in einen größeren Behälter um. Geeignet sind glattwandige Kunststoffboxen, Faunaboxen, kleine Terrarien oder spezielle Heimchen-Behälter mit Entnahmeröhren. Glattwandig ist Pflicht, sonst klettern die Tiere heraus.

Eierkartons vergrößern die Lauffläche und bieten Verstecke. Kleie eignet sich als Bodengrund. Sie ist hygienisch, leicht austauschbar und dient zugleich als Futter. Stellen Sie zusätzlich eine flache Schale mit Trockenfutter und Wassergel bereit. Wassergel verhindert das Ertrinken und deckt den Flüssigkeitsbedarf zuverlässig.

Für die reine Hälterung bis zur Verfütterung reichen 18 bis 24 °C. Eine separate Beleuchtung oder Heizung ist nicht nötig, die Abwärme über dem Terrarium oder ein warmer Hauswirtschaftsraum genügt. Wer Heimchen aktiv aufziehen oder züchten möchte, hält sie deutlich wärmer, bei etwa 28 bis 32 °C. Reinigen Sie den Behälter mindestens einmal pro Woche und tauschen Sie den Bodengrund regelmäßig.

Praxistipp für stressfreies Umsetzen: Stellen Sie die Heimchenbox eine Stunde vor dem Umsetzen kühl, bei 12 bis 16 °C. Die Tiere werden träge und lassen sich ruhig handhaben. Wichtig: Entkommene Heimchen können in Innenräumen überleben, sich vermehren und durch das nächtliche Zirpen der Männchen zur Lärmbelästigung werden. Sichern Sie den Behälter daher konsequent.

Aufwerten und Bestäuben vor dem Verfüttern

Der Nährwert eines Heimchens hängt davon ab, was es zuletzt gefressen hat. Füttern Sie die Tiere ein bis zwei Tage vor dem Verfüttern kräftig mit frischem Grün und Spezialfutter. Fachleute nennen dieses Prinzip Gut-Loading. Das Futterinsekt ist ein Nährstoff-Träger, dessen Qualität direkt von seiner letzten Mahlzeit abhängt.

Zusätzlich bestäuben Sie die Heimchen kurz vor der Verfütterung mit Calcium- oder Mineralstoffpulver. Vitamin D3 wird je nach Reptilien-Art und UVB-Versorgung dosiert, also nicht pauschal. Dafür geben Sie die Heimchen in eine kleine Dose, geben das Pulver dazu und schütteln behutsam. Das Pulver haftet an der Chitinoberfläche und gelangt direkt ins Reptil. Gut-Loading und Bestäuben kombiniert heben den Nährstoffgehalt eines Futtertiers spürbar, ohne dass Sie das Reptil selbst supplementieren müssen.

Pestizid-Schnellcheck mit dem Heuschrecken-Test

Heimchen sind robust, Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria) dagegen reagieren empfindlich auf Spritzmittelrückstände. Diesen Unterschied nutzen viele Praktiker als kostenlosen Schnelltest auf belastetes Grünfutter.

So funktioniert die Heuristik: Geben Sie ein Stück des fraglichen Grünzeugs zunächst an wenige Wüstenheuschrecken. Beobachten Sie die Tiere etwa 30 Minuten. Bleiben sie aktiv, deutet das auf rückstandsarmes Futter hin. Zeigen sie sofortige Vergiftungsanzeichen, entsorgen Sie die Charge.

Ehrlich gesagt: Dieser Schnelltest ist kein validierter Sicherheitsbeweis. Viele Insektizide wirken artspezifisch, subletal oder verzögert. Eine kurze Beobachtung schließt Belastung also nicht zuverlässig aus. Verfüttern Sie im Zweifel nur Grünfutter aus belegt unbelasteten Quellen, der Heuschrecken-Test ist nur ein zusätzlicher Filter, kein Freibrief.

So verfüttern Sie die Heimchen möglichst stressfrei

Häufige Fragen zur Heimchen-Haltung

Was fressen Heimchen?

Heimchen sind Allesfresser. Im Terrarium bekommen sie frisches Obst und Gemüse (Apfel, Karotte, Salat) plus ein Trockenfutter aus Kleie, Haferflocken oder spezielles Heimchen- und Grillenfutter. Geringe Mengen tierisches Protein (Zierfisch- oder Hundefutter) beugen Kannibalismus vor.

Sind Heimchen Grillen?

Ja. Heimchen (Acheta domesticus) sind die Hausgrille und gehören zur Familie der Echten Grillen (Gryllidae). Wer in der Terraristik „Grille" sagt, meint fast immer ein Heimchen.

Wie lange leben Heimchen?

Der gesamte Lebenszyklus dauert bei warmer Haltung rund zwei bis drei Monate (FAO). Als ausgewachsenes Tier leben Heimchen etwa vier bis acht Wochen. In engen Transportdosen verlieren sie schon nach wenigen Tagen deutlich an Nährwert.

Bei welcher Temperatur halte ich Heimchen?

Für die reine Hälterung bis zur Verfütterung reichen 18 bis 24 °C. Wer aufziehen oder züchten möchte, hält die Tiere bei rund 28 bis 32 °C. Eine separate Heizung ist für die kurzfristige Haltung meist nicht nötig.

Wie oft sollte man Heimchen füttern?

Frisches Feuchtfutter geben Sie täglich in kleinen Mengen und entfernen Reste nach zwei bis drei Stunden. Trockenfutter steht dauerhaft zur Verfügung.

Brauchen Heimchen Wasser?

Ja, aber keine offene Schale. Nutzen Sie Wassergel oder feuchte Obst- und Gemüsestücke. Offene Wassergefäße sind tödlich, weil die Tiere darin ertrinken.

Was tun, wenn Heimchen entkommen?

Glattwandige Behälter mit Deckel beugen das vor. Für entwischte Tiere eignen sich Lockfallen mit Futter oder Klebefallen für Futterinsekten. Entkommene Heimchen können in Wohnräumen überleben und durch nächtliches Zirpen der Männchen schnell zur Lärmbelästigung werden, schnelles Einfangen lohnt sich also.

Weiterführende Fachquellen: Wikipedia – Heimchen · Orthoptera Recording UK – Acheta domesticus · Merck Vet Manual – Nutrition in Reptiles

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