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Krankheiten und Therapiemöglichkeiten beim Pantherchamäleon, Teil 3:

Pantherchamäleon Weibchen auf Boden

Legenot

Bei trächtigen Weibchen tritt bei falschen Haltungsbedingungen, ungeeignetem Ablagesubstrat, Stress, Nährstoffmangel oder mechanischer Eileiterverengung häufig Legenot auf. Dann ist das hochträchtige Tier nicht in der Lage, alle Eier abzulegen, und stellt seine Grabaktivitäten ein, obwohl der Ablagetermin längst überschritten ist. Insbesondere sehr junge Weibchen neigen zu dieser lebensbedrohlichen Störung, manchmal auch, wenn keine Verpaarung stattgefunden hat.
Beginnen die Eier im Leib zu faulen, sterben die Tiere an Organversagen oder einer eitrigen Infektion.
Sollte trotz optimierter Eiablagebedingungen eine Legenot vermutet werden (wenn etwa eine Woche nach Beginn der Probegrabungen noch keine Eiablage erfolgte), kann gelegentlich eine Erhöhung der Umgebungstemperatur, ein warmes Bad und ein sanftes Massieren der Eier in Richtung Kloake den Ablagevorgang einleiten. Dieses kann vom Tierarzt durch hochdosierte orale Kalzium/Vitamin-D-Gaben oder Kalziumglukonat in Kombination mit UV-B-Bestrahlung unterstützt werden.
Nach vorheriger Röntgenkontrolle des Bauchraumes kann der Tierarzt die Eiablage durch Vitamin-Injektionen oder Hormon-Kalzium-Gaben einleiten. Sollte auch eine erneute Gabe am Folgetag nicht den gewünschten Erfolg bringen, müssen die Eier chirurgisch entfernt werden, um das Leben des Muttertieres zu retten. Gelegentlich sind sogar die Jungtiere in den Eiern noch zu retten und auch weitere Trächtigkeiten des behandelten Weibchens möglich.
Kommt es durch o. g. medizinische Maßnahmen zur Eiablage, sollte per Röntgenkontrolle geklärt werden, ob weitere Eier im Leib verblieben sind.

Darmerkrankungen mit Durchfall

Übler Geruch aus dem verschleimten Maul sowie amorpher (dünnflüssig, schleimig, ungeformt) Kot deuten auf eine Störung des Verdauungstraktes hin. Normaler Kot besteht aus einem weißlichen Ausscheidungsprodukt, dem schwer löslichen Ammoniumsalz der Harnsäure, und dem eigentlichen Kot, der dunkelbraun und geformt sein sollte.
Durchfall oder blutige Darmentzündungen können verschiedene Ursachen haben. Zur Diagnostik erfolgt eine Kotuntersuchung, da meist Erreger für Durchfallerkrankungen verantwortlich sind. Bis zum Vorliegen des Ergebnisses sollte keine unspezifische Medikamententherapie erfolgen, da sie im Zweifelsfall eher schadet als nützt.
Um dem gesteigerten Flüssigkeitsverlust (Dehydratation) entgegenzuwirken, muss mit einer Elektrolytlösung behandelt werden, da die Tiere sonst apathisch werden und sterben. Neben Wasser sollte mehrmals täglich eine 0,9-%ige Kochsalz- oder Ringerlösung (insgesamt ca. 3 ml/100g Körpergewicht pro Tag) mit der Pipette verabreicht werden. Bei oraler Aufnahmeverweigerung können die Elektrolyte auch beim Bad über die Haut zugeführt werden. Eine Dehydratation kann bei frisch importierten Chamäleons vorliegen, die aufgrund eines langen Transportes kein Wasser zu sich nehmen konnten, und sollte entsprechend versorgt werden. Diese Tiere zeigen eingefallene Augen und übermäßig faltige Haut. Ein zu trockenes Klima entzieht dem Chamäleonkörper über Haut und Atmung Flüssigkeit, sodass Austrocknung droht.

Verstopfung, Darm- und Kloakenvorfall

Eine Verstopfung kann bei Verdickung des Kots durch Fremdkörper (z. B. Pinienrinde), Wassermangel oder falscher Ernährung auftreten. Ein Anzeichen dafür kann sein, wenn trotz normaler Futter- und Wasseraufnahme bei ausreichender Wärme über mehrere Tage kein Kot ausgeschieden wird. Das Tier weist dann einen aufgedunsenen Bauch auf und ist unruhig.
Eine Verstopfung kann durch den erhöhten Pressdruck beim Kotabsetzen zu einem Darm- oder Kloakenvorfall (Prolaps) führen. Dieser kann aber auch infolge unsachgemäßer Ernährung (zu wenig Ballaststoffe, Blutkalziummangel etc.), Dehydratation, Parasitenbefall, Darminfektionen und bei Trächtigkeit auftreten.
Ein Darm- oder Kloakenvorfall (selten sind auch Eileiter betroffen) äußert sich in der schmerzbedingten Unruhe des Tieres und durch Heraustreten von rötlichen (später dunkelblauen) Kloaken- oder Darmanteilen aus der Kloake.
Prophylaktisch bzw. therapeutisch lassen sich Verstopfungen bzw. Darmvorfälle verhindern, indem auf abwechslungsreiche Ernährung (Gabe von eiweißarmen Insekten wie Heuschrecken, nur gelegentlich Mäusebabys anbieten) und ausreichend Flüssigkeitszufuhr geachtet wird. Außerdem kann eine zu kalte Hälterung die Darmaktivität drosseln bzw. zu warme Temperaturen können zu einem Flüssigkeitsverlust (Dehydratation) führen.
Zunächst sollte man die Temperatur im Terrarium und die Flüssigkeitszufuhr erhöhen. Die orale Gabe von einigen Tropfen Parafinöl kann bei Verstopfung hilfreich sein und eine Darmentleerung auslösen. Sollte dies nicht erfolgreich sein, muss ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Der vorgefallene Darm kann vom erfahrenen Terrarianer oder besser vom Veterinär zurückmanipuliert werden. Dazu müssen die ausgestülpten Darmanteile weich gepolstert und möglichst steril abgedeckt werden, um Verletzungen, z. B. durch Krallen oder scharfe Gegenstände, bzw. Infektionen zu verhindern.
Dann erfolgt eine Säuberung der Darmanteile mit lauwarmem Wasser. Jetzt kann man vorsichtig versuchen, mit Vaseline und einem Wattestäbchen den Darm zurück in die Kloake zu massieren (Reposition), ohne diesen oder andere Eingeweide im Bauchraum zu verletzen. Ist der Prolaps zu groß oder gelingt keine zügige und bleibende Reposition, deckt man die Kloake feucht und weich gepolstert (Küchenpapier/Watte) ab und sucht schnellstens einen Tierarzt auf. Neben Verletzung, Infektion und Austrocknung droht dem Tier durch Abschnürung der Blutgefäße eine Minderdurchblutung und damit Absterben des Darmes.
Außerdem hat das Tier während des Vorfalls starke Schmerzen. Der Veterinär wird versuchen, evtl. unter Sedierung und mit geeigneten Instrumenten den Darm in seine anatomische Position zu bringen und ggf. die Kloakenöffnung durch eine Naht zu verkleinern, um einen erneuten Vorfall zu verhindern. Selten müssen abgestorbene oder entzündete Darm- bzw. Kloakenanteile amputiert werden. Die Fäden können nach etwa zehn Tagen entfernt werden oder lösen sich auf.
Prophylaktisch oder bereits therapeutisch sollte Antibiotikasalbe angewendet werden. Außerdem muss versucht werden, die Ursache der Verstopfung und des Darmvorfalls zu ermitteln, damit diese beseitigt werden kann.

Gicht

Austrocknung und/oder zu proteinreiche Ernährung kann zu Nieren-, Eingeweide- und Gelenkgicht führen. Hierbei wird das Eiweißabbauprodukt Harnsäure im Gewebe angereichert, was zu Nieren- bzw. Organversagen und schließlich zum Tod führen kann.
Sind die Gelenke betroffen, kommt es zur Gelenkdeformation bis zur Gehunfähigkeit. Entlang der Wirbelsäule wird eine raupenartige Längsanschwellung sichtbar. Durch hochdosierte Vitamin-A-Gaben und reichlich Flüssigkeitszufuhr kann die Gichterkrankung am Fortschreiten gehindert werden. Eine Heilung ist praktisch nicht möglich. Es ist somit vorbeugend auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr und gesunde Ernährung zu achten.

Leberverfettung

Adulte Chamäleons sollten nicht übermäßig gefüttert werden. Das Chamäleon neigt dazu, große Mengen an Futter aufzunehmen, um schlechteren Zeiten vorzubeugen. Das führt zu Leberverfettung und damit Blutverdickung. Bewegungsmangel im Terrarium verstärkt die Verfettung noch, und es kann zu Trägheit sowie bei steigender Herzfrequenz Kreislaufversagen kommen. Da auch hier keine spezifische Therapie bekannt ist, hilft nur Vorbeugung durch Futtergabe von kleinen Mengen sowie gelegentliche Fastenzeiten. Auch die häufige Gabe von nestjungen Mäusen, Wachsmaden und Mehlwürmern verursacht eine Leberverfettung.

Weitere Informationen über Herkunft, Entwicklungsgeschichte, Haltung, Paarung, Zucht und Krankheiten des Pantherchamäleons entnehmen Sie bitte meinem Buch:
Das Pantherchamäleon  - Furcifer pardalis
1. Auflage März 2011; Seiten: 131; Fotos: 87; Bindung: broschiert,

von Dr. Carsten Schneider, erschienen im Kleintierverlag

Preis: 14,80 €


Herzlichst

Ihr Dr. Carsten Schneider
Kotproben kosten - nur über Ihren Tierarzt)

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