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Mauli, die bewegende Geschichte eines Tejus

Roter Teju Mauli

Vor etwas über einem Jahr erhielt ich einen Anruf und keine zwei Stunden später hatte ich eine große weiße Styroporbox bei uns stehen. Nachdem das Quarantäne Terrarium eingerichtet war, wollte ich mir den kleinen abgeschobenen neuen Mitbewohner ansehen. Ich machte die Box auf, holte den Kleinen zunächst einmal raus und bekam einen Schock. Es sah aus als hätte er sich beide vorderen Knöchel gebrochen, er bewegte sich absolut unkoordiniert. Wir sprechen von einem kleinen Roten Teju, welcher nach zwei Vorbesitzern zu uns kam. Ich befürchtete gleich so etwas wie Rachitis, aber bin ich nun auch kein Tierarzt. Dieser wurde umgehende konsultiert und meine schlimme Vermutung sollte sich bestätigen. Mauli, wie er getauft wurde, bekam den Befund auf eine sehr hochgradige Rachitis gestellt. Man muss es sich in seinem Fall so vorstellen: die Unterarmknochen (Elle, Speiche) einmal komplett verdreht, so dass sie X- förmig auf dem  Röntgenbild zu sehen sind. Zudem gab es noch Verformungen der Oberschenkel und manch anderer Knochen. Dies war der Grund für seine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Seinen Namen erhielt er, weil er sich wie ein Maulwurf bewegte und Mauli in dem Fall am Nächsten lag. So gesehen war es fünf vor zwölf, niemand war auch nur einmal mit ihm beim Tierarzt, die Person die ihn mir gegeben hatte meinte, dass ihr das nicht aufgefallen ist.

Roter Teju Mauli Verletzung auf Röntgenbild

In dem Punkt frage ich mich wie man so etwas übersehen kann. Besonders dann, wenn man auch nicht zum ersten Mal mit Reptilien zu tun hat! Vom Vorbesitzer ganz zu schweigen, dieser kam mit Aussagen wie: Tejus bräuchten ja nicht so viel Licht, das wäre alles nur teuer. Super Einstellung, wenn alles so teuer ist warum muss man sich dann einen anschaffen? Lauter solche Sachen bekam ich zu hören und natürlich ist der Bewegungsablauf von Mauli niemandem aufgefallen, schade das ich kein Video gemacht habe damals. Er war es, der Schuld an Maulis Dilemma trägt und das weiß ich seit Dezember 2012 ganz sicher, da ein weiterer Teju, aus dem gleichen Import stammend zu uns stieß. Dieser war zwar ebenfalls klein, aber hat keinerlei Anzeichen von Rachitis.
Die nächsten Wochen würden über Leben und Tod bei dem kleinen Kandiaten entscheiden, denn mit ca. 60-65cm bei 600g war er nun einmal nicht gerade der Größte bei mindestens 4 Jahren wie uns das Importdatum verriet. Das eigentliche Alter von ihm ist leider unbekannt und da er sie wohl zu Beginn seines ihres Lebens schlecht gefüttert wurden erklärt sich der Kleinwuchs auch fast von allein. Er bekam pures Calcium verordnet und alle 2 Tage eine Bestrahlungskur mit der Osram Vitalux. Zudem musste er gestopft werden da er sich jeglicher Nahrung verweigerte. Dieses war leider nicht wirklich einfach. Die ersten Male ging es einigermaßen, nachdem ein schleimiger Pulk von Schleim und Streu aus seinem Hals endlich raus war. Mein Freund hat einmal mit geholfen und konnte es danach nicht mehr, für ihn war es zu viel. Nach den ersten Fütterungen und Verabreichungen der Medikamente wehrte sich Mauli mit zunehmender Kraft immer mehr, aber von allein Fressen wollte er auch nicht.
Es war für uns beide ein Kampf der nicht schön war und ich ahnte schon, dass wenn der Kleine das überlebt, wir nicht unbedingt beste Freunde werden würden. Die ganze Prozedur zog sich über 8 Wochen hin bis Mauli das erste Mal von sich aus einige Stinte futterte, ein kleines Erfolgserlebnis über das wir uns sehr freuten. Die nächsten Wochen fraß er hier und da immer mehr von selbst und es wurde aber auch schon immer schwieriger ihn zur Osram zu geleiten. Er wehrte sich richtig und in dem Fall war ich froh, dass er nur ein kleiner Teju war. Mit einem Großen wäre dies sicherlich richtig spaßig geworden, solch eine Begebenheit ist auch kein guter Start für eine harmonische Beziehung.

Nach etwa 4 Monaten fing Mauli auch an sein “Revier“ zu verteidigen und er sollte aus dem 120er Terrarium in ein großes ziehen, so bekam er unser altes Boaterrarium von 180x80x120 und er wurde wieder ruhiger. Nun kam die Frage auf was mit Mauli geschehen sollte. Da ich hin und wieder Abgabetiere und Nottiere aufnehme um ihnen dann ein gutes zu Hause zu suchen wenn sie gesund sind, blieb nun die Frage geht Mauli oder bleibt er bei uns? Tejus haben mich schon immer fasziniert, doch muss ich offen gestehen lag mein Augenmerk eher auf den schwarzweißen Tejus. In jedem Fall sollte er ein großes Heim mit viel Bewegungsfläche und Gesellschaft bekommen, was bei einem behinderten Tier natürlich eine Herausforderung ist. Nachdem ich einige Wochen lang ein Vermittlungsgesuch gestellt hatte und nur dumme Anfragen bekommen hatte entschied ich das Mauli bei uns bleiben würde und das auf Lebenszeit. Somit startete die Suche nach einem Partner für Mauli und ich stieß im Internet auf Raya. Sie passte von der Größe her einfach zu ihm und war sogar aus dem selben Import. Außerdem entstand der Plan für den Bau eines großen Geheges für die Beiden, ein 6qm Innengehege und im Frühjahr 2013 wird noch ein ca. 10qm Außengehege folgen, so dass sie viel Platz zum Bewegen und Laufen haben. Es ist nun einmal Fakt das große Tiere auch viel Platz brauchen, neben einer ordentlichen Beleuchtung in dem Fall natürlich. Das belegt die Geschichte von Mauli doch sehr deutlich. Sie werden zwischen drinnen und draußen frei wählen können und im Winter im Innengehege ihre Winterruhe einleiten können. Im Dezember 2012 zog Raya bei uns ein und einige Tage später folgte Khufu, ein Jungtier, somit hatte Mauli nun nach seiner Winterruhe nicht nur ein großes Gehege sondern auch Gesellschaft.

Und was soll ich sagen, aus der kleinen behinderten Echse ist in diesem einen Jahr ein stattlicher Kerl geworden, er hat nun ca. 80cm und ist sehr kräftig und munter geworden. Auch hat er einen sehr schönen kräftigen Rotton bekommen. Hätte man mir dies vor einem Jahr gesagt, dass wir ihn retten können, ich hätte es niemandem geglaubt. Nicht nur das, er balzt seine Mädels auch deutlich an, da Khufu und Raya demnach wohl weiblich sind. Auch Anguz, die im März aus Abgabegründen zu uns kam ist ein Mädchen, wenn auch ein Schwarzweißes. Mauli hatte sich gleich in die Kleine verguckt. Anguz selbst ist auch nur 100cm, also auch nicht zu groß. Diese vierer WG funktioniert prima und ich freue mich schon darauf sie draußen in Aktion zu sehen, wenn das Außengehege eingeweiht wird. Tejus sind untereinander von den eigenen Beobachtungen her sozial, selbst beim Fressen gibt es bei uns keine Probleme. Und auch Mauli ist mir selbst gegenüber wesentlich anders und viel ruhiger, so dass ich ihn sogar schon ohne Probleme berühren konnte. Tejus sind im allgemeinen auch sehr neugierig, passt man beim sauber machen nicht auf, so kann es passieren das einem Anguz auf dem Schoß sitzt.
Wir hoffen das unser kleiner Mauli bei uns nun noch viele Jahre sein Leben genießen kann. Seinen Kampf darum hat er letztendlich gewonnen.Rote Teju Mauli und Freunde

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