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Nachzucht von Pantherchamäleons (Furcifer pardalis)

Paarungsverhalten von Pantherchamäleons ( Furcifer pardalis)Im natürlichen Lebensraum erstreckt sich die Paarungszeit von Pantherchamäleons etwa von Dezember bis April, also von der Regenzeit bis zum Beginn der Trockenzeit. Aufgrund der abweichenden Klimabedingungen im Terrarium verlagert sich die Fortpflanzung auf März bis August oder ist bei gleichmäßigen Bedingungen auch ganzjährig möglich. Die Männchen sind immer, die Weibchen jedoch nur periodisch paarungsbereit. Auch wenn einige Weibchen schon eher geschlechtsreif sind, sollte man die Tiere frühestens ab einem Alter von zwölf Monaten verpaaren. Ansonsten besteht die Gefahr einer Legenot, oder die zu jungen Weibchen können nach der kräftezehrenden Trächtigkeit und Eiablage sterben. Die Männchen stresst eine Paarung weit weniger, sodass diese ab etwa sechs Monaten verpaart werden können.

Balz und Paarung
Bei der Zusammenstellung eines geeigneten Zuchtpaares sollte man darauf achten, dass nur Tiere der gleichen Lokalform mit einander verpaart werden. Hierbei kann man sich eigentlich nur auf die Angaben vertrauensvoller Züchter verlassen, denn selbst Experten können die Tiere optisch nicht immer sicher zuordnen.
Vor der eigentlichen Kopulation kommt es bei den Pantherchamäleons zu einem interessanten Balzritual, das dem Kommentkampf zweier Männchen zunächst sehr ähnelt. Das paarungsbereite Männchen bewegt sich geradezu stürmisch unter Kopfnicken und im Schaukelschritt (Hochzeitsmarsch) auf das Weibchen zu. Hierbei bläst es sich mal auf, mal flacht es den Körper seitlich ab, um dem Weibchen seine größtmögliche Breitseite und sein schönstes Farbenkleid zu präsentieren. Das Weibchen bleibt zunächst ruhig und nimmt bei Paarungsbereitschaft ein helles, beige bis leicht rosa Farbkleid an. Dann spaziert es wie unbeteiligt davon, erwartet aber das Männchen. Hat dieses das Weibchen erreicht, versucht es die Partnerin mit gezielten Helmstößen am Weiterlaufen zu hindern und in eine günstige Paarungsposition zu manövrieren. Sobald dies gelungen ist, klettert es von hinten seitlich auf sie, krallt sich fest und schiebt seine Kloake unter ihre, die sie zuvor leicht angehoben hat. Das Männchen führt nun einen seiner Hemipenes ein.
Eine Paarung dauert 5–40 Minuten und kann sich in den Folgetagen mehrmals wiederholen, wobei bei einem normalen Ablauf meist schon die erste Paarung erfolgreich ist. Anschließend trenne ich beide Tiere wieder voneinander und versuche es an den nächsten Tagen evtl. noch einmal. Während der Paarung sollten die Tiere ständig beobachtet werden, um ggf. einschreiten zu können.
Ein nicht paarungsbereites Weibchen reißt das Maul auf und ergreift die Flucht. Dabei zeigt es eine dunkle Grundfärbung mit orange Flecken. Wird es vom Männchen verfolgt, versucht es durch angedeutete Bisse und Helmstöße zu verhindern, bestiegen zu werden. Das Männchen wird dann zumeist ruhiger, wehrt sich kaum und lässt vom Weibchen ab. Nur selten versucht ein aggressives Männchen sich trotz weiblicher Gegenwehr zu paaren, was aber nie erfolgreich verläuft. Ist ein Weibchen bereits trächtig, signalisiert es dies durch eine wunderschöne Färbung mit orange- und türkisfarbenen Punkten auf schwarzem Grund und verhält sich extrem paarungsunwillig.
Ich trenne die Tiere bei Paarungsunwilligkeit des Weibchens oder nach erfolgreicher Paarung immer sofort, um sie keinem unnötigen Stress auszusetzen und Verletzungen zu vermeiden.

Trächtigkeit, Eiablage, Inkubation und Schlupf
Nach erfolgreicher Paarung nimmt beim Weibchen der Bauchumfang schnell zu, und nach ca. drei Wochen zeichnen sich die Eier immer deutlicher unter der Bauchhaut ab. Während dieser Phase zeigt das Weibchen deutlich mehr Appetit. Eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen ist jetzt besonders wichtig; dazu dienen z. B. Stückchen von Sepiaschulp, vitaminisierte Insekten sowie einmal wöchentlich ein Mäusebaby. Ein Überangebot an Vitaminen muss aber vermieden werden, da es sonst zu Vergiftungen kommen kann.Eiablage Pantherchamäleon (Furcifer pardalis)
Während der Trächtigkeit benötigt das Weibchen viel Ruhe, und man sollte so wenig wie möglich im Terrarium hantieren. Der Bauchumfang nimmt schnell zu, und bald frisst es nur noch wenig, hat aber einen erhöhten Wasserbedarf, sodass man intensiv sprühen muss. Wenige Tage vor der Eiablage laufen die trächtigen Weibchen unruhig im Terrarium umher und beginnen mit ersten Probegrabungen.
Jetzt sind optimale Ablagebedingungen notwendig, sonst kann es zur Legenot kommen. Das Terrarium sollte entweder einen Bodengrund von 25 cm Tiefe haben, oder man bringt einen ca. 20 x 20 x 30 cm großen Ablagebehälter mit einem leicht feuchten Sand-Erde-Gemisch ein und sorgt, z. B. mit einer Heizmatte, für die nötige Temperatur. Bei mir hat sich folgende Methode bewährt: Ich beobachte das trächtige Weibchen und kann aufgrund meiner Erfahrungen die Eiablage auf 1–2 Tage genau vorhersagen. Dann überführe ich das Tier zur Eiablage vorsichtig in einen 20-Liter-Eimer, der zu Zweidrittel mit einem feuchten
(nicht nassen) Sand-Erde-Gemisch (3 : 1) gefüllt ist, und überspanne diesen mit Fliegengaze. Dicht darüber platziere ich eine 40-Watt-Lampe als Wärmequelle. Dieses Verfahren erleichtert die folgende Überführung der Eier in den Inkubator und schont die Terrarieneinrichtung. Die Grabungen werden immer häufiger und das Weibchen unruhiger. Etwa 30–35 Tage nach der Paarung gräbt das Weibchen über mehrere Tage einen tiefen Gang, in dem es vollständig verschwinden kann. Dann dreht es sich und legt, meist nachts, in einer Erweiterung am Ende der Höhle 25–35 Eier ab. Im Anschluss daran verfüllt das Tier die Höhle sorgfältig mit Sand und stampft sogar den Boden darüber fest, so dass der Eingang nicht mehr zu sehen ist. Anschließend verlässt es den Ablageplatz und kümmert sich nicht mehr um sein Gelege. Häufig kommt es bei meinen Weibchen zu mehreren (bis zu vier) Gelegen ohne erneute Paarung durch Vorratsbefruchtung (Amphigonia retardata), wobei die Quote der befruchteten Eier dann abnimmt.
Eier von Pantherchamäleons (Furcifer pardalis)Die Eier sind nach der Ablage durchschnittlich 4 x 12 mm groß und 0,6 g schwer. Kleinere Eier sind häufig nicht befruchtet, fallen in den ersten 3–4 Monaten ein und beginnen zu faulen. Das Gelege sollte innerhalb von 1–2 Tagen zur Optimierung der Inkubation und zum Schutz vor Futtertieren, Parasiten sowie Krankheitserregern aus dem Ablagesubstrat in kleine Boxen, z.B. Heimchenboxen, mit leicht feuchtem Vermiculit oder Perlite überführt werden. Dazu lege ich die Eier mit einem Löffel und einem Pinsel vorsichtig frei und markiere die Oberseite mit einem weichen Stift. Sie dürfen einige Stunden nach der Ablage nicht mehr gewendet werden, da die Embryos sonst absterben. Die Eier werden zu Zweidrittel im Brutsubstrat eingegraben und die Boxen mit geschlossenem Deckel in einem Inkubator bei kontinuierlich 25 °C und 80 % Luftfeuchtigkeit über etwa sieben Monate gezeitigt. Die neueste Generation von Inkubatoren (z. B. der „RCOM Juragon Reptile Incubator Pro“, der nur in den USA und Großbritannien erhältlich ist oder der Hobby Repti Breeder) bietet zum Teil die Möglichkeit, sowohl Temperatur als auch Feuchtigkeit automatisch zu regeln. Hiermit lassen sich sogar individuell einstellbare Tag-Nacht-Schwankungen bzw. Jahreszeiten programmieren. Vor direktem Kontakt mit Kondenswasser sind die Eier im Inkubator zu schützen.
Die befruchteten Eier nehmen in den ersten drei Monaten durch Flüssigkeitsaufnahme schnell an Volumen zu. Ich kontrolliere wöchentlich, um einen gewissen Luftaustausch zu gewährleisten, verdorbene Eier zu entfernen, die Inkubatoreinstellungen zu überprüfen und ggf. Wasser im Inkubator nachzufüllen. Unbefruchtete Eier behalten ihre Größe und haben feine Längskratzer auf der Oberfläche, befruchtete Eier dagegen eine „Sternchenzeichnung“. Unbefruchtete Eier werden entfernt, bevor sie zu faulen beginnen, damit sich keine Krankheitserreger ausbreiten. So hatte ich bisher keine Probleme mit Fäulnis oder Pilzbefall.
Gelegentlich fallen nach einigen Monaten einige der befruchteten Eier im Inkubator ein und beginnen einzutrocknen oder faulen. Hierin befinden sich vollentwickelte Embryos, die in der Endphase ihres Entwicklungsstadiums abgestorben sind.
Manchmal betrifft dies bis zu einem Drittel des Geleges und kann möglicherweise auf nicht optimalen Inkubationsbedingungen (Temperatur konstant hoch, zu hohe oder geringe Substratfeuchte) beruhen, obwohl ich ebenso häufig 90-%ige Schlupferfolge bei identischen Bedingungen habe.
Eier, die über den fünften Monat hinaus prall bleiben, geben Anlass zur Hoffnung auf einen erfolgreichen Schlupf. Kurz vor dem Schlupf (bei o. g. Inkubationsbedingungen nach ca. 200 Tagen) perlen Tropfen von der Eischale, und die Eihülle fällt ein. Dann schlitzt der Schlüpfling mit seinem Eizahn ein Loch in die Schale und versucht, mit schlängelnden Bewegungen aus dem Ei zu kommen.
Zunächst schaut nur der Kopf heraus. Ist das erst einmal geschafft, geht der weitere Schlupfvorgang blitzschnell. Vom Aufschlitzen bis zur vollständigen Befreiung aus dem Ei kann es aber manchmal bis zu 36 Stunden dauern, in seltenen Fällen kann es auch misslingen, was zum Tod des Jungtiers führt.
Die Schlüpflinge liegen anfangs zusammengerollt im Substrat. Doch bald beginnen sie, in der Brutbox aufgeregt umher zulaufen. Dort werden sie für etwa einen Tag belassen und dann in ein kleines Terrarium überführt. Innerhalb weniger Tage schlüpf ten alle Chamäleonbabys, mit einer Körperlänge von 60–70 mm, wobei diese sowohl von der Inkubationszeit als auch von der Eigröße zum Zeitpunkt der Ablage abhängt. Unter den beschriebenen Ablage- und Inkubationsbedingungen erziele ich sehr variierende Schlupfraten von 20–90 % bei ausgeglichener Geschlechterverteilung.
Die Weibchen sind nach der Eiablage sehr geschwächt und sterben in der Natur häufig aufgrund der kräftezehrenden Anstrengungen. Wenn sie bei mir im Terrarium nicht sofort wieder Nahrung und Wasser aufnehmen, werden sie mit einem Brei aus Steppengrillen, Banane und „AminoRep“ zwangsgefüttert. Dieser Brei wird erst widerwillig, später aber immer besser angenommen. Eine spezielle Fütterungsspritze („Pinky Pump“) kann hierbei helfen. Um Maul- und Eingeweideverletzungen zu vermeiden, muss dieses Vorgehen sehr behutsam erfolgen. Außerdem erfolgt nach jeder Mahlzeit eine Wassergabe mittels Pipette. Dieses Vorgehen praktiziere ich zunächst täglich, dann alle 2–3 Tage. Vor jeder Zwangsfütterung wird mit einer Heuschrecke getestet, ob der „Patient“ evtl. bereits eigenständig frisst. Außerdem wird täglich viel frisches Wasser angeboten. Das Weibchen erholt sich meistens innerhalb von ca. 2–3 Wochen. Reagiert man nicht sofort, können die Chamäleons Rachitis oder Zungenlähmung entwickeln und verhungern oder sterben an Austrocknung. Diese Gefahr besteht insbesondere bei den Weibchen, die bereits mehrere Eiablagen hinter sich haben.
Eine erneute Verpaarung ist zwar nach 4–6 Wochen wieder erfolgreich und kommt sicherlich in der Natur auch vor, sollte aber im Terrarium erst erfolgen, wenn das Weibchen wieder gestärkt ist und selbständig frisst.

Aufzucht der Jungtiere
Nach der Freude über den erfolgreichen Schlupf fangen die Probleme erst richtig an. Je nach Schlupfergebnis sind zwischen 20 und 30 kleine Chamäleons aufzuziehen und unterzubringen. Ich überführe sie in Gruppen zu fünf Tieren nach Größe sortiert in ein kleines Terrarium (25 x 25 x 50 cm), ausgerüstet mit UV-Licht (15 %) und einer 40-Watt-Lampe. Die Temperaturen sollten tags nicht über 27 und nachts nicht unter 20 °C betragen, und es muss auf eine hohe Luftfeuchtigkeit von 80–90 % geachtet werden. Nach 2–3 Monaten können die Klimabedingungen schrittweise an die der adulten Tiere angepasst werden. Staunässe gilt es in den Aufzuchtbehältern zu vermeiden, die bei engmaschiger Gaze schnell auftreten kann. Dann muss täglich für genügend Luftzirkulation gesorgt oder der Gazeanteil erhöht werden. Hier bieten einfache Holzrahmenterrarien einige Vorteile.
PantherchamäleonnachwuchsAn Sonnentagen überführe ich die Nachzuchten in spezielle kleine, freihängende Fliegengazebehälter, in denen sie sich sichtlich wohlfühlen und die Möglichkeit haben, kleinste Insekten aus der Natur zu fressen.
Die Jungtiere sind bereits kurz nach dem Schlupf sehr flink und können geschickt auf dünnen Ästen rennen. Außerdem drohen sie mit offenem Maul und versuchen zu beißen, wenn man sie ergreift. Dabei sollte man aufpassen, dass die Kleinen nicht herunterfallen, denn sie versuchen von der Hand zu springen bzw. sich bei der Flucht fallen zu lassen.
Meine Aufzuchtterrarien haben kein Bodensubstrat. Somit sind sie leicht zu säubern, und es besteht nicht die Gefahr, dass die Jungtiere beim Beuteschießen Substratanteile verschlucken. Ansonsten sind die Behälter mit kleinen, dicht wachsenden Pflanzen wie Ficus oder Asparagus (gut geeignet sind auch Gräser) und vielen dünnen Kletterästen ausgestattet, an denen die Jungtiere auch bevorzugt schlafen. Es müssen viele Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätze vorhanden sein, damit die Tiere möglichst wenig Stress erleiden. Unter diesen Bedingungen ist das Aufziehen der Babys in kleinen Gruppen für 8–10 Wochen möglich, denn die Einzelaufzucht von bis zu 35 Tieren ist kaum zu realisieren. Ich konnte außerdem beobachten, dass gemeinsam gehaltene Jungtiere meist besser fraßen und schneller wuchsen, als Geschwister, die einzeln gehalten wurden.
Trotzdem sollte das Sozialverhalten der Jungtiere immer gut beobachtet werden. Wenn sich erste Stressreaktionen (permanente Dunkelfärbung, gegenseitiges Bedrohen, verzögertes Wachstum u. Ä.), besonders bei den Männchen, zeigen, müssen sie getrennt werden. Ansonsten zeigen sich sofort oder später Folgen wie Nahrungsverweigerung, plötzlicher Tod, schüchternes Verhalten, Paarungsunwilligkeit und Wachstumsstörungen.
Von Anfang an muss den Jungtieren ausreichend sowie vitaminisierte und abwechslungsreiche Nahrung angeboten werden.
Auch den kleineren Tieren muss ausreichend Futter zur Verfügung stehen. Und mit den im Artikel zur Haltung genannten Tricks verzehren sie nach 10–16 Wochen gelegentlich auch speziell zubereitetes Obst und Gemüse.
Anfangs wachsen die Jungtiere je nach Futterangebot schnell und gleichmäßig heran. Ein zu schnelles Wachstum (Geschlechtsreife nach 6–9 Monaten, Wachstumsabschluss nach 12–18 Monaten) ist nicht zu empfehlen. Wenn das Wachstum dem Mineralieneinbau im Skelett vorauseilt, führt dies häufig zu Rachitis. Nach ca. 5 Monaten sind die deutlich größeren Männchen zu erkennen. Die Jungtiere können nach ca. sechs Wochen, besser nach 3–4 Monaten, an erfahrene Terrarianer (Sachkundenachweis, entsprechende Literatur gelesen) abgegeben werden.

 

Weitere Informationen über Herkunft, Entwicklungsgeschichte, Das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) von Dr. Carsten SchneiderHaltung, Paarung, Zucht und Krankheiten des Pantherchamäleons entnehmen Sie bitte meinem Buch:
Das Pantherchamäleon  - Furcifer pardalis
1. Auflage März 2011; Seiten: 131; Fotos: 87; Bindung: broschiert,

von Dr. Carsten Schneider, erschienen im Kleintierverlag

Preis: 14,80 €


Herzlichst

Ihr Dr. Carsten Schneider

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